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Scham
oder das Gefühl der Unzulänglichkeit
Viele
von uns leiden unter dem Gefühl, in ihrem Leben ständig vor einem
unterschwelligem Gefühl der Unzulänglichkeit davonzurennen, und sie verstecken
es hinter allen möglichen Kompensationen und Masken. Und plötzlich läuft dann
irgendwann das Fass über:
Wenn
unser Freund oder unsere Freundin uns verlässt, wenn wir viel Geld oder unseren
Job verlieren oder wenn nichts im Leben mehr Sinn macht. Wer dagegen nicht so
gut darin ist, seine Unsicherheit zu verstecken, geht sein ganzes Leben lang
seinen Mitmenschen oft gründlich auf die Nerven. So oder so - fast jeder von
uns hat das fundamentale und starke Gefühl von "nicht zu genügen".
Auf der psychologischen Ebene entsteht Scham, wenn wir nicht als das gesehen
werden, was wir wirklich sind, und zwar schon von frühester Kindheit an. Wir
waren gezwungen, Masken aufzusetzen, um Liebe, Anerkennung und Zuneigung zu
erhalten. Unsere Reise durch die Scham beginnt da, wo wir merken, dass sie
überhaupt existiert, und zwar schon seit langem. Wir werden uns dann auch
bewusst, wie sich Scham anfühlt und wodurch sie in unserem heutigen Leben
ausgelöst wird – speziell in unseren Beziehungen. Wir erkennen, wie sehr wir
versucht haben, die Scham zu verstecken und wie verkehrt es sich anfühlt,
vor ihr wegzulaufen. Erst dann
können wir zurückverfolgen, wo in unserem Leben dieses Gefühl seinen Ursprung
hat, und erst dann können wir uns mit Mitgefühl dem kleinen Jungen oder
Mädchen in uns zuwenden, dem ja gar keine andere Wahl blieb als sich zu
verstellen - um in einer Welt zu überleben, in der es oft keine Unterstützung
gab, und die stressig bis hin zur Vergewaltigung war. Wir erfahren nunmehr ein
tiefes Mitgefühl mit uns selbst, und eine ganz neue Einfühlsamkeit zwingt uns
dazu, unser eigenes Selbst und unsere eigene Kreativität zu entdecken. Nicht
aus unserem kämpfenden Ego heraus, sondern in Entspanntheit und unter
Anerkennung unseres wirklichen Wesens.
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Schock,
Angst und Trauma
Den
zweiten großen Problemkreis, der unseren Beziehungsproblemen und unserem
verletzten Selbstgefühl zugrunde liegt, nennen wir "Schock". Schock
ist ein Zustand von physischer, sprachlicher und emotionaler Lähmung,
ausgelöst durch ein frühes Kindheitstrauma. Oft sind die Erlebnisse, die zum
Schock führ- ten, vergessen oder tief verschüttet, aber ihre Auswirkungen
sind nach wie vor deutlich zu spüren. Sie bewirken, dass wir nicht mehr
richtig funktionieren können – in unseren sexuellen Begegnungen, in unserer
Kreativität, unseren Beziehungen und überall dort, wo es um Selbstbehauptung
oder irgendeine Form von Selbstdarstellung geht.
Jeder
von uns hat andere unterschiedliche Schock-Symptome, aber in allen Fällen
werden sie leicht in Situationen ausgelöst, in denen wir das Gefühl haben,
unter Druck zu stehen – wenn wir uns bedroht, kritisiert, zurückgewiesen
oder attackiert fühlen. Wir sind dann so sensibel, dass uns oft schon der
kleinste Anlass in Schock und außer Funktion versetzen kann. Einer der
schlimmsten Aspekte von Schock ist, dass er so subtil und versteckt sein kann,
dass wir gar nicht bewusst wahrnehmen, wann er einsetzt. Plötzlich fühlen
wir uns einfach wie gelähmt und schämen uns dafür. Und schon sind wir in
einem schmerzhaften Teufelskreis. Der Schock geht auf frühkindliche
traumatische Erlebnisse zurück. Schock war für unser Nervensystem der
einzige Weg, auf das überwältigende Gefühl von Panik und Bedrohung zu
reagieren. Der Körper erinnert sich daran, und es genügt die kleinste
Provokation, und unser Nervensystem fühlt sich wieder in die Zeit zurück
versetzt, in der die traumatische Erfahrung stattfand. Auf bewusster Ebene
ver- stehen wir vielleicht überhaupt nicht, was da passiert. In einer intimen
Beziehung kann das zu gro0en Schwierigkeiten führen; denn nur die wenigsten
haben ein Verständnis dafür, was Schock eigentlich bedeutet. Wenn er jedoch
eintritt – im Sex oder sonst einem Beziehungsmuster – sind wir nicht mehr
in der Lage, präsent zu bleiben. Wir werden überwältigt von einem Gefühl
der Angst. |
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Verlassensein,
Vernachlässigung und Leere
Der
dritte Problemkreis, der in Beziehungen zum Vorschein kommt, ist der
wichtigste: unsere innere Leere. Unser ganzes Leben lang versuchen wir durch
alle nur möglichen Ablenkungsversuche dem Gefühl dieser inneren Leere
auszuweichen. Aber früher oder später holt es uns dann doch ein, weil es ja
immer in uns war und nur darauf wartete, ausgelöst zu werden. Wenn
dieses Gefühl der inneren Leere ausgelöst wird, können die Angst und die
Panik so groß sein, dass es sich anfühlt, als müssten wir sterben. In
milderer Form kennen wir dieses Gefühl, wenn eine andere Person nicht so ist,
wie wir sie gerne hätten. Ich nenne so etwas "das kleine
Im-Stich-gelassen-Werden". Aber am heftigsten trifft es uns, wenn wir von
jemandem verlassen oder zurückgewiesen werden, den wir lieben. Was dann
geschieht, ist ein Gefühl von Leere und Panik, das oft in keinem Verhältnis
zum eigentlichen Geschehen
steht. Dabei handelt es sich dann um das Wiederaufleben eines frühkindlichen
Ereignisses, bei dem wir uns verlassen und betrogen fühlten – was uns
damals so tief ängstigte, dass wir es aus unserer Erinnerung verdrängten.
Bis wir bereit sind, uns diesen Wunden in ihrer ganzen Intensität zu stellen,
sind unsere Beziehungen normalerweise nichts als Strategien, sie ja nicht
fühlen zu müssen. In unserer Fantasie malen wir uns aus, einmal jemanden zu
finden, der uns ein für allemal vor Situationen bewahrt, in denen wir uns
allein und betrogen fühlen könnten. Wir sind immer auf der Suche nach einer
solchen Person und immer wieder enttäuscht, wenn ein Partner nicht unseren
Erwartungen entspricht. Was wir "Liebe" nennen, ist oft nicht mehr
als die Anstrengung, Alleinsein zu vermeiden. Wir suchen nach jemandem der uns
von dem inneren Gefühl der Leere, das wir seit jeher kennen, befreit. Aber
das, was wir im anderen suchen, müssen wir erst einmal in uns selbst finden.
Und das scheint nur passieren zu können, wenn wir durch diesen Schmerz des
Verlassenseins hindurch gehen. Wenn wir anfangen, diesen Schmerz bewusst
wahrzu- nehmen, werden wir aufhören, ihn auf andere zu projizieren. Nunmehr
vermögen wir uns diesem Gefühl innerer Leere zu überlassen und es
auszuhalten. Osho zufolge ist dieses Sich-der-Einsamkeit-Stellen der große
Augenblick des Akzeptierens, der uns die Tür zur Meditation öffnet. Sich da
hinein zu entspannen, schenkt einen außergewöhnlichen Frieden. Dies öffnet
auch tiefer Liebe und Intimität in unserem Leben die Tür.
Zusammenfassung
Wenn wir heute einmal unsere Beziehungsdramen im Licht dieser drei
Problemkreise – Schock, Scham und Verlassensein – unter die Lupe nehmen,
können wir daraus wertvolle Lektionen für unsere emotionalen und
spirituellen Reifeprozesse ziehen.
Auf
das, was uns das Leben
beschert, haben wir zwar herzlich wenig Einfluss; da "passiert einfach
alles" nur, da werden wir von gewissen Energien getrieben. Wenn wir aber
in diesen drei Seelenbereichen aufgeräumt haben, erhält unsere spirituelle
Reise ein Orientierungsspektrum und gewin- nen unsere Erfahrungen Sinn und
Bedeutung. Statt einander gegenseitig anzuklagen, uns zu beschweren oder in
Selbstmitleid zu zerfließen, können wir die Fahrt genie0en, egal wie sie
verläuft. Manchmal bringt sie Freude, zu anderen Zeiten Schmerz, aber sie ist
selten langweilig.
Krishnananda
(Tom Trobe) |
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"Du kannst keine Liebe geben, weil
niemand dir vermittelt hat, daß du ein liebenswertes Wesen bist.
"Du kannst keine Liebe geben, weil niemand die
vermittelt hat, daß du ein liebendes Wesen bist. Diejenigen, die sich selbst
kennen, wissen ohne Zweifel, daß sie ewige Wesen sind. Sie sind oft
gestorben, und doch leben sie. In der Existenz bist dun zum ersten Mal
zuhause. Dort gibt es keinen Grund Angst zu haben; es ist deine Mutter; du
bist Teil von ihr. Sie kann dich nicht ertränken, sie kann dich nicht
zerstören. Je mehr du dies begreifst, desto mehr wirst du dich genährt fühlen;
je mehr du sie begreifst, desto mehr wirst du dich gesegnet fühlen; je
mehr du sie begreifst, desto mehr wirst du sein. Dann kannst du Liebe geben,
weil du sie hast. Und dann kannst du Liebe annehmen, denn es gibt keinen
Grund, sie abzulehnen.
OSHO
Satyam, Shivam,
Sundram 45
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